Deutsches Studentenwerk

Studieren und Arbeiten

Geld verdienen neben dem Studium, das gehört für viele Studierende in Deutschland zum Alltag. Insgesamt sind etwa zwei Drittel aller Studierenden auch erwerbstätig, weist die aktuelle Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks nach.

Gerade für internationale Studierende ist der Nebenjob wichtig für den Lebensunterhalt. Allerdings können Studierende, die nicht aus EU- oder EWR-Ländern kommen, in Deutschland nur eingeschränkt arbeiten. Anders der Großteil der Europäerinnen und Europäer - sie sind den deutschen Studierenden praktisch gleich gestellt und haben freien Zugang zum Arbeitsmarkt.

Zwei Warnungen:

  • Wer zuviel und fachfremd arbeitet, verlängert sein Studium. Sie sollten verstärkt die vorlesungsfreie Zeit nutzen, um zu arbeiten.

  • Der Arbeitsmarkt für Studierende wird immer schwieriger; es gibt zunehmend weniger Angebote.

In welchem Umfang dürfen Sie arbeiten?

Seit August 2012 dürfen internationale Studierende, die nicht aus der EU oder dem EWR kommen, 120 volle oder 240 halbe Tage im Jahr arbeiten. Dafür brauchen sie keine Zustimmung der Agentur für Arbeit, der deutschen Zentralbehörde.

Allerdings dürfen internationale Studierende, die nicht aus der EU kommen, sich nicht selbstständig machen oder freiberuflich arbeiten!

Wenn Sie mehr als 120 volle oder 240 halbe Tage arbeiten wollen, brauchen Sie die Zustimmung der Agentur für Arbeit und der Ausländerbehörde. Ob Sie diese Zustimmung erhalten, hängt von der Arbeitsmarktlage an Ihrem Studienort ab. In Regionen mit höherer Arbeitslosigkeit werden Sie wenig Chancen haben, mehr als 120 Tage arbeiten zu können.

Eine Ausnahme ist allerdings die Arbeit als wissenschaftliche oder studentische Hilfskraft: Solange das Studium nicht gefährdet ist, kann diese zeitlich unbegrenzt ausgeübt werden. Die Ausländerbehörde muss aber trotzdem informiert werden, wenn Sie als wissenschaftliche oder studentische Hilfskraft arbeiten wollen!

Sprachkursbesucher/ Studienkollegs

Wenn Sie einen Sprachkurs besuchen oder im Studienkolleg studieren, gelten strengere Bestimmungen als für regulär eingeschriebene Studierende. Sie dürfen nur mit Zustimmung der Ausländerbehörde und der Agentur für Arbeit arbeiten - und auch nur in der vorlesungsfreien Zeit.

Studierende aus der EU und dem EWR

Grundsätzlich gilt: Studierende aus der Europäischen Union und dem EWR sind praktisch den deutschen Studierenden gleichgestellt und haben freien Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt.

Seit Mai 2011 können auch die Studierenden aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Slowenien, der Tschechischen Republik und Ungarn zu den gleichen Bedingungen wie deutsche Studierende neben dem Studium arbeiten.

Für Studierende aus Bulgarien und Rumänien gelten jedoch weiterhin die Beschränkungen der 120/240 Tage-Regelung. Wenn Sie aus einem dieser beiden Länder kommen, haben Sie nur einen eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt und benötigen eine Genehmigung der Bundesagentur für Arbeit. Diese Behörde prüft, ob für den Arbeitsplatz, den Sie wollen, nicht auch ein deutscher Staatsbürger oder ein anderer EU-Bürger zur Verfügung steht.

Praktika

Wenn Sie nicht aus der EU oder dem EWR kommen und in Deutschland ein Praktikum absolvieren, zählt das als reguläre Arbeit - selbst dann, wenn das Praktikum unbezahlt ist! Jeder Tag im Praktikum wird von Ihrem 120-Tage-Guthaben abgezogen.

Wenn Sie zum Beispiel schon 120 Tage gearbeitet haben, müssen Sie für ein Praktikum die Zustimmung der Ausländerbehörde und der Agentur für Arbeit einholen.

Davon ausgenommen sind nur Praktika, die verpflichtender Bestandteil Ihres Studiums sind.

Arbeit finden

In Deutschland vermitteln verschiedene Stellen den Studierenden Nebenjobs. Die regionalen Stellen der Agentur für Arbeit haben meist eine Job-Vermittlung für Studierende. An großen Hochschulstandorten, wie beispielsweise Berlin, gibt es Jobvermittlungen des Studentenwerks oder der Studierenden selbst.

Häufig werden Jobs auch auf "schwarzen Brettern" an der Hochschule ausgeschrieben. Auch auf den Webseiten der Hochschulen und der Studentenwerke gibt es meist Jobbörsen. Außerdem haben alle regionalen oder lokalen Zeitungen auch Anzeigenmärkte, in denen offene Stellen ausgeschrieben werden.


Mehr dazu im Internet

Auf der Webseite der Agentur für Arbeit  finden Sie auch Nebenjobs (Jobbörse)!

www.arbeitsagentur.de

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Sozialabgaben und Steuern - gar nicht so schwierig!

In Deutschland werden verschiedene Sozialabgaben sowie die Steuern automatisch von Ihrem Verdienst abgezogen. Für Studierende gelten aber häufig großzügige Regeln. Sie zahlen entweder nur reduzierte oder gar keine Abgaben.

Lohnsteuer

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland muss Steuern bezahlen. Ihre Höhe hängt vom Einkommen ab. Wer einen so genannten Minijob ausübt und 450 Euro im Monat verdient, muss jedoch keine Steuern bezahlen.

Wenn Sie weniger als 8.130 Euro im Jahr verdienen, bekommen Sie am Jahresende die bezahlten Steuern wieder zurück, wenn Sie beim Finanzamt eine Einkommenssteuererklärung einreichen.

Rentenversicherung

Alle Arbeitnehmer in Deutschland müssen von ihrem Verdienst einen Beitrag in die staatliche Rentenversicherung einbezahlen. Im Normalfall sind es 9,45% des Einkommens.

Studierende bezahlen meist geringere Beträge. Einkommen von bis zu 450 Euro bleibt beitragsfrei. Bei einem Einkommen zwischen 450 und 850 Euro im Monat bzw. Arbeitszeiten über 20 Stunden wöchentlich fallen reduzierte Beiträge an. Wer längerfristig mehr verdient, muss höhere Beiträge entrichten. Ab einem Verdienst von 850 Euro monatlich leisten Studierende den vollen Beitragsanteil von 9,45%.

Krankenversicherung/Pflegeversicherung

Auch wenn sie neben dem Studium arbeiten, sind Studierende doch in der Regel als Studenten und nicht als Arbeitnehmer krankenversichert. Dann müssen sie keine einkommensabhängigen Beiträge zur Krankenversicherung entrichten. Erst wenn Studierende mehr als 20 Stunden die Woche arbeiten, müssen sie unter Umständen doch Beiträge zur Krankenversicherung leisten. Klären Sie das unbedingt mit Ihrem Arbeitgeber!

Um bis zum 25. Lebensjahr beitragsfrei in der Familienversicherung zu bleiben, darf das monatliche Brutto-Einkommen 385 Euro bzw. 450 Euro bei einer geringfügigen Beschäftigung nicht übersteigen.

Es ist daher ratsam bei Aufnahme einer Beschäftigung die Krankenversicherung zu kontaktieren und sich beraten zu lassen.

Arbeitslosenversicherung

Studenten leisten in der Regel keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Das heißt aber auch, dass sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, wenn sie ihren Nebenjob verlieren.

 

Mit oder ohne Steuernummer?

Wer in Deutschland arbeitet, braucht in der Regel eine Steuernummer. Diese erhalten Sie im Bürgeramt ihres Wohnortes. Allerdings gibt es auch so genannte geringfügige Beschäftigungen (Minijob); dafür benötigen Sie in der Regel keine Lohnsteuerkarte.

Grundsätzlich gilt: Für die verschiedenen Beschäftigungsformen fallen auch verschiedene Sozialabgaben an.

Geringfügige Beschäftigung = 450 Euro Job = Minijob

Wenn Studierende längerfristig eine Beschäftigung ausüben, mit der sie nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen, gilt die so genannte Mini-Job Regelung: Sie müssen keine Steuern bezahlen und können sich von den Beiträgen zur Rentenversicherung befreien lassen.

Der Arbeitgeber jedoch zahlt für die Mini-Jobber Beiträge zur Rentenversicherung; sie erwerben so Ansprüche in der Rentenversicherung. Studierende können den Beitrag des Arbeitgebers durch eigene, freiwillige Beiträge zusätzlich erhöhen.

Minijobs gibt es auch in Privathaushalten - für Sie als Arbeitnehmer gibt es rechtlich aber kaum Unterschiede zu Minijobs in der Wirtschaft.

Minijobs werden vom Arbeitgeber bei der Minijob-Zentrale angemeldet. Wenn Sie gleichzeitig mehrere Minijobs ausüben, muss das Gesamteinkommen unter 450 Euro bleiben. Ansonsten müssen Sie Steuern bezahlen.

Mehr als geringfügige Beschäftigung

Wenn Sie in Ihrem Job regelmäßig mehr als 450 Euro im Monat verdienen, brauchen Sie in Deutschland eine Steuernummer. Ihnen werden automatisch bestimmte Abzüge vom Lohn einbehalten: Für Studierende ist dies der Beitrag zur Rentenversicherung sowie die Steuern. In der Regel erhalten Studierende ihre Steuern am Jahresende jedoch wieder zurück. Dazu müssen sie beim Finanzamt eine Einkommenssteuererklärung abgeben.

Wie viel Prozent ihres Einkommens als Beitrag zur Rentenversicherung abgeführt wird, hängt von der Höhe Ihres Einkommens ab. Liegt das Einkommen zwischen 450 und 850 Euro, fallen reduzierte Beiträge zur Rentenversicherung an. Die Beiträge steigen schrittweise an, ab 850 Euro monatlichem Einkommen zahlen Studierende den vollen Rentenversicherungsbeitrag von 9,45 Prozent.

Studierende, die bis zu 20 Stunden pro Woche arbeiten, können in ihrer studentischen Krankenversicherung versichert bleiben. Bei mehr als 20 Stunden Arbeit die Woche fallen neben den Beiträgen zur Rentenversicherung in der Regel auch Beiträge zur Krankenversicherung und zur Arbeitslosenversicherung an!

Arbeiten in den Semesterferien ("vorlesungsfreie Zeit")

Während der Semesterferien gelten besondere rechtliche Regelungen für Studierende.

Jobs während der Semesterferien sind steuerpflichtig, aber auch hier erhalten Studierende ihre bezahlten Steuern am Jahresende über den Einkommensteuerausgleich zumeist zurück.

Fällt die Beschäftigung ausschließlich in die vorlesungsfreie Zeit, so müssen Studierende keine gesonderten Beiträge zur Krankenversicherung bezahlen, selbst wenn sie mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten.

Während der Semesterferien kann die Pflicht entfallen, in die staatliche Rentenversicherung einzahlen zu müssen: Das gilt, wenn das Beschäftigungsverhältnis auf höchstens 2 Monate oder 50 Arbeitstage im Jahr beschränkt ist.

Honorarkräfte, Werkverträge, freiberufliche oder selbstständige Tätigkeiten

Manchmal werden Studierenden auch Tätigkeiten auf freiberuflicher Basis angeboten. Wenn Sie selbständig arbeiten, benötigen Sie keine Lohnsteuerkarte.

In diesem Fall bittet Sie Ihr Arbeitgeber bzw. Ihr Auftraggeber meistens, eine Rechnung einzureichen, oder Sie vereinbaren mit ihm einen Werkvertrag.

Einnahmen, die Sie so erzielen, werden vorläufig nicht versteuert. Sie müssen diese Einnahmen jedoch am Jahresende beim Finanzamt melden und eine Einkommenssteuererklärung einreichen.

Achtung: Internationale Studierende, die nicht aus der EU oder dem EWR kommen, dürfen keine selbstständigen Tätigkeiten ausüben!

Hilfreiche Links und Informationen:

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